Warum Wind kälter wirkt

Die Haut erwärmt die Luft direkt an ihrer Oberfläche. Wind führt diese wärmere Luft fort und verstärkt den Wärmeaustausch. Der Windchill beschreibt diesen Effekt als scheinbare Temperatur; er wird aus Lufttemperatur und Windgeschwindigkeit berechnet.

Ein Beispiel und die Grenzen der Formel

Bei 0 °C Lufttemperatur und 30 km/h Wind ergibt die verbreitete nordamerikanische Formel ungefähr −6,5 °C Windchill. Für ungeschützte Haut ist der Wärmeverlust damit erheblich größer als bei Windstille.

Diese Formel ist für Temperaturen bis 10 °C und Wind über ungefähr 4,8 km/h vorgesehen. Sonneneinstrahlung, nasse Kleidung und körperliche Aktivität sind darin nicht umfassend enthalten. Ein Sommerwind wird deshalb nicht sinnvoll mit dieser Formel bewertet.

Friert Wasser bei positivem Thermometerwert?

Wind allein kühlt einen trockenen Gegenstand nicht unter die Lufttemperatur. Er lässt ihn diese Temperatur schneller erreichen. Ein Windchill von −6,5 °C bei 0 °C Lufttemperatur bedeutet daher nicht, dass eine trockene Straße −6,5 °C kalt wird. Verdunstung und Wärmeabstrahlung sind zusätzliche Prozesse und müssen getrennt betrachtet werden.

Menschen erzeugen laufend Wärme. Wind kann ihre Wärmeverluste trotzdem stark erhöhen; ein Vergleichswert ersetzt deshalb keine Beurteilung von Kleidung und Aufenthaltsdauer.

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